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Baitcasting 16.02.2011 11:11

Baitcast

Baitcasting sagt eigentlich nichts anderes aus als "den Köder auswerfen", dies aber in diesem Fall nicht mit einer Stationärcombo, sondern mit einer Baitcastcombo. Die Technik des "Baitcastens“ hat in den letzten Jahren in Deutschland viel an Bedeutung gewonnen, aber was für die Japaner und Amerikaner nichts Neues ist wirft bei  uns viele Fragen auf.

Vor- und Nachteile

Es muss ja bekanntlich meist gute Gründe geben um etwas Altbewährtes durch etwas Neues zu ersetzen. Diese guten Gründe gibt es auch beim Baitcastern, genauso aber auch einige Nachteile. Letztendlich müssen sie Abwegen ob für ihr Einsatzgebiet die Vor- oder die Nachteile dominieren.

Vorteile

Die Baitcastrolle besitzt einen anderen Grundaufbau als die Stationärrolle, was sie robuster macht und damit vor allem sehr geeignet für große und schwere Köder. Außerdem erleichtert sie das Werfen mit großen Ködern, denn das Gewicht des Köders lastet beim Wurf nicht wie bei der Stationärrolle auf einem Finger. In der Regel ist das Fischen auch ermüdungsfreier, da gerade beim Jerken und Twitchen ergonomische Vorteile entstehen, da die Rolle oben sitzt. Weiterhin lässt sich genauer werfen und auch einfacher abstoppen, da man nur den Finger auf die Spule drücken muss um den Köderflug zu stoppen, außerdem kann man sehr leicht einhändig werfen. Im Wurf ist ein Überschlagen mehrteiliger Köder nahezu ausgeschlossen, da durch das gleichmäßige Abrollen keine lockere Schnur im Wurf entsteht, wodurch auch keine Perücken entstehen. Letztendlich und nicht zu vergessen ist auch der unserer Meinung sehr hohe Spaßfaktor beim Fischen mit einer Baitcastcombo nicht von der Hand zu weisen.

 

Nachteile

Das Baitcastern birgt aber nicht nur Vorteile in sich, sondern auch eine ganze Reihe an Nachteilen. Der entscheidendste ist der Wurfweitenverlust bei sehr leichten Ködern. Außerdem ist es nicht einfach und erfordert sehr gut abgestimmtes Tackle um leichte Köder (unter 5gr) zu werfen. Das Werfen mit der Baitcaster erfordert auch ein gewisses Maß an Übung, wichtig ist aber nicht zu früh aufzugeben, denn mit der Zeit ist es kinderleicht. Bei sehr starkem Gegenwind ist das Werfen sehr schwierig und ist nur mit einem gewissen Maß an Übung und guter Bremseinstellung möglich. Problematisch ist auch, dass noch recht geringe Angebot an guten hochwertigen Rollen und Ruten, vor allem Ruten über 220cm Länge sind sehr selten. Aber der Deutsche Markt entwickelt sich in letzter Zeit sehr schnell und der Trend wird sich fortsetzten und das Angebot wachsen.

 

Die Technik

Welche Technik nun eigentlich in so einer Baitcastrolle steckt und welche Parameter dafür verantwortlich sind, dass man nicht mit jeder Caster jedes Gewicht werfen kann, soll Ihnen der folgende Text näherbringen.

Die Lager:

Die Spule ist auf beiden Seiten von je einem Spulenlager gefasst, diese beiden Lager sind entscheidend für die Wurfperformance, denn die Spule bleibt durch sie länger in Bewegung. Die Lager sind in nach ihrer Qualität eingeteilt (ABEC-Klassenteilung) bzw. ihrer Toleranz bei Reibung im inneren geteilt. Je geringer die Toleranz ist, desto länger bleibt das Lager in Bewegung. In einem Kugellager befindet sich eine Spule bzw. kleine Kugeln die durch die eine gewisse Anfangsenergie (entsteht beim Wurf) in Bewegung gesetzt werden müssen und dann sehr lange in Bewegung verbleieben können. Damit halten sie auch die Spule länger in Bewegung und weitere Würfe mit leichtern Ködern sind möglich.

Extra: Wer den Mut und die Lust hat selbst an seinen Rollen handanzulegen kann seine Lager selbst tauschen und somit seine Rollen tunen, denn meist sind ab Werk nicht die hochwertigsten Lager eingebaut. Am besten aber gleich ab Werk eine etwas hochwertigere Rolle kaufen und sich somit den Aufwand des Tunings ersparen.

Die Spule:

Die Spule welche ein gewisses Gewicht aufweist, muss um den Köder mit der Baitcastrolle auswerfen zu können in Bewegung gesetzt werden bzw. zum Rotieren gebracht werden. Dafür muss aber zuerst die Trägheit der Spule, welche aus dem jeweiligen Gewicht resultiert überwunden werden. Einfach gesagt, je schwerer die Spule umso höher ist ihre Trägheit und somit muss die Kraft um diese zu überwinden auch größer sein. Die Kraft kann nur aus dem Wurfschwung und dem Gewicht des Köders kommen und je höher das Ködergewicht und der Wurfschwung ist, umso länger kann die Spule rotieren und weitere Wurfweiten sind möglich.

Extra: Auch die Spule kann gewechselt und sich durch eine deutlich leichtere ausgetauscht werden. Leichtere Gewichte werden z.B. durch leichtere Materialien oder Ausfräsungen in der Spule erreicht. Bei Baitcastern ist es unüblich das eine Ersatzspule mitgeliefert  wird, wer aber nicht ständig umspulen möchte sollte über die Anschaffung einer Ersatzspule nachdenken und hierbei vielleicht gleich eine Tuningspule wählen.

 

Andere physikalische Größen:

Meist unbeachtet, aber nicht weniger wichtig ist es auch andere Umstände beim Wurf zu beachten. Vor allem das Werfen gegen den Wind oder von relativ großen Ködern mit gleichzeitig leichtem Gewicht erfordert Übung und eine gute Rolle. Denn nicht immer lässt sich die gleiche Masse auch gleichweit werfen. Die Köder weisen im Flug einen Gewissen Luftwiderstand auf, zwar aktiviert die Gleiche Masse die Spule bei gleichem Schwung mit identischer Kraft, diese geht aber je nach dem wie groß der Luftwiederstand ist schneller oder langsamer verloren. Ein Blei mit einer hohen Dichte und geringen Luftwiderstand fliegt also bei gleicher Masse weiter als z.B. ein Wobbler, der zwar die Gleiche Masse hat  aber einen wesentlich größeren Luftwiderstand. Auch der Wind kann die Wurfweiten stark beeinflussen, denn dieser kann die Kraft des Wurfes bei Rückenwind verstärken oder bremsen bei Gegenwind. Qualitativ höhere und bessere Rollen minimieren diese Faktoren aber stark und vereinfachen vieles für den Angler.

 

Die Bremsen:

Vielleicht ist es Ihnen schon aufgefallen, das Baitcaster wesentlich mehr Bremssysteme als Stationärrollen aufweisen. Zusätzlich zu der „normalen“ Bremse für die Schnurfreigabe haben sie noch andere Systeme die in den verschiedenen Wurfphasen ein Überdrehen der Spule und die damit lästige Perücke verhindern. Sind dann alle Bremssysteme gut eingestellt und auf die persönlichen Vorlieben angepasst ist das Werfen auch keine Zauberei mehr!

Sternbremse:

Das sternförmige Rädchen auf der Kurbelseite dient als „normale“ Bremse die die Schnur bei Zug freigibt. Diese Bremse regelt also wie, die Front- bzw. Heckbremse, bei einer Stationärrolle welche Kraft der Fisch aufwenden muss um Schnur von der Spule nehmen zu können. Man sollte darauf achten, dass die Bremse leichtgängig und ruckfrei läuft, bei extrem billigen Rollen ist dies häufiger nicht der Fall. Passiert dies trotzdem sollte man die Bremsscheiben reinigen und neu fetten.

mechanische Spulenbremse:

Diese mechanische Bremse ist das stufenlos verstellbare Rädchen auf der Kurbelseite unter der Sternbremse. Diese Bremse beeinflusst wie frei die Spule läuft, indem durch den Drehregler Druck auf die Spule ausgeübt wird und sie damit „schleift“. Als Anfänger sollte man diese Bremse recht weit schließen, da diese das Werfen sehr vereinfacht, aber auch viel Energie und damit Wurfweite raubt. Als Faustregel für Anfänger gilt im allgemeinen, dass der Köder, nach Aktivieren der Freigabetaste, langsam zum Boden absinken kann. Ist man schon etwas geübter sollte man diese Bremse schon deutlich weiter öffnen, bzw. kann auch ganz ohne diese Bremse werfen. Stellt man diese aber komplett ab, sollte darauf geachtet werden das die Spule trotzdem kaum seitliches Spiel hat. Vor allem bei sehr leichten Gewichten geht durch eine falsche Einstellung viel Wurfweite verloren.

Magnetbremse:

Die Magnetbremse besteht aus einem oder mehreren Magneten die parallel zur Spule, meist im Seitendeckel auf der gegenüberliegenden Kurbelseite, angebracht sind. Durch ein kleines Drehrad wird die Kraft die der Magnet auf die Spule ausübt gesteuert, hierzu wird eine Metallplatte o.ä. über den Magnet geschoben und verhindert somit den Energiefluss. Die Magnetbremse sorgt vor allem in der Endphase des Wurfes dafür, dass die Spule nicht überdreht, denn bei niedrigen Spulenumdrehungszahlen kann der Magnet seine Wirkung am besten entfalten kann. Wer also in der Endphase des Wurfes etwas langsam mit seinem Daumen ist sollte diese Bremse lieber etwas fester einstellen.

Fliehkraftbremse:

Die Fliehkraftbremse besteht aus kleinen Gewichten, in Form von Pins überzogen mit einer Plastikhülle. Dreht dann die Spule sehr schnell werden diese Pins nach außen gedrückt und verursachen am Spulenrand Reibung, welche die Spule leicht abbremst und somit ein Überdrehen verhindert. Die Bremse begrenzt also die maximale Umdrehungszahl und ist damit eher am Anfang des Wurfes aktiv, denn da wird die Spule stark beschleunigt und dreht auch am schnellsten. Vor allem Anfänger beschleunigen sehr ruckartig im Wurf und damit neigt die Spule schnell zum Überdrehen, was diese Bremse aber verhindert. Bei einem geübten Werfer muss die Bremse kaum noch in den Wurf eingreifen.

 

Form

Man unterscheidet generell zwei Formen bei Baitcastrollen, Lowprofile und Roundprofile Rollen. Also flache und runde Rollen. Im Deutschen Sprachgerbrauch gelten die Runden meist als Multirolle und die Lowprofile Rollen als Baitcaster. Dies ist aber eigentlich falsch, denn beide können als Baitcaster bezeichnet werden. Vor- bzw. Nachteile entstehen durch die Form keine, es sind eher persönliche Vorlieben des Anglers die über die Wahl der Form entscheiden. Fassen sie am besten die Rollen im Laden an und entscheiden dann, was Ihnen besser gefällt und besser in der Hand liegt.

Die Rute

Im Vergleich zur Spinnrute gibt es eigentlich nur zwei Grundlegende Unterschiede, die Beringung und den Griff. Ansonsten sind die normalen Eigenschaften aus unserem Spinnrutentext genauso auch auf Baitcastruten anwendbar. Ziehen sie also auf der Suche nach der richtigen Rute zum Baitcasten auch den Spinnrutenratgeber zur Hilfe den Sie auch auf der Boddenanglerseite unter Angelgerätekunde finden.

Beringung:

Wie ihnen sicher bekannt ist , sind bei der Baitcastrute die Ringe nicht unten, sondern oben auf die Rute gebunden. Vor- bzw. Nachteile entstehen dadurch keine. Eine Besonderheit bei einigen Baitcastruten ist die Spiralwicklung der Ringe, auch Spiral Guide genannt. Hierzu gehen die Ringe Spiralförmig um die Rute, die ersten sitzen also noch oben und drehen sich dann immer weiter um den Blank, der Spitzenring sitzt dann in der gleichen Position wie bei Spinnruten. Dies wird meist bei Bigbaitruten verbaut, da dadurch die Kraftübertragung auf den Blank gleichmäßiger ist.

Griff

Bei dem Griff der Baitcaster sollte auf die gleichen Dinge wie bei dem einer Spinnrute geachtet werden, ausgezeichnet wird der Caster nur durch den sogenannten Trigger. Dieser Trigger engl. „Auslöser“ hat die Form eines Gewehrabzuges und erleichtert und verbessert den Griff der Rute. Da man meist mit an die Rolle fast, ermöglicht der Trigger einen guten Halt für die Finger, man klemmt sie quasi dahinter um besseren Halt zu bekommen. Dieser Griff ist nahezu bei allem Modellen verbaut,  aber nicht zwingend notwendig, jedoch sehr nützlich.

Abstimmung Rute – Rolle

Beim Baitcastern ist die richtige Abstimmung zwischen Rute und Rolle besonders wichtig, denn nicht jede Rolle ist für jeden Gewichtsbereich und damit nicht für jede Rute geeignet. Auch nur so bekommt man ein Maximum an Wurfweite. Einsteigern würden wir grundsätzlich eine Rute mit verhälnismäßig langsamen Taper empfehlen.

 

Angewandt in der Praxis

Was diese Fülle an Fakten nun für sie in der Praxis bedeutet und welche Rolle sich für welche Technik die richtige ist soll nun auch noch geklärt werden. Wir als Händler führen hauptsächlich Baitcastrollen der Traditionsfirma Abu Garcia. Diese Firma ist für jeden Bereich der Angelei sehr breit aufgestellt und bietet für jeden Gewichtsbereich die passenden Rolle. Für die leichten Techniken sollten Sie auch eine kleine und recht leichte Rolle wählen, für schwerere Gewichte sollte man auf eine größere Rollengröße zurückgreifen.

Für welches Wurfgewicht kann ich welche Abu Garcia Baitcaster einsetzten?

Die Abu Rollen werfen in folgenden Gewichtsbereichen optimal.

  • Revo MGX 5-35 g
  • Revo Premier: 5 - 35 g
  • Revo Inshore: 15 - 150 g
  • Revo STX: 10-80 g
  • Revo Toro: 25 - 180 g
  • Revo SX: 10 - 70 g
  • Revo S: 10 - 70 g
  • Blue Max: 15-50g
  • Black Max: 15-50g
  • Silver Max: 15-50g
  • Pro Max: 15-50g
  • C3 4601: 15 - 120 g
  • C4 5601: 15 - 120 g
  • C4 5601JB: 20 - 200 g
  • Mörrum ZX1601: 3,8g - 30g

Die Angaben sind ein ungefährer Richtwert und müssen sich nicht zwangsläufig mit ihren Erfahrungen decken. Mit viel Übung sind die Minimalgrenzen auch zu unterschreiten, die Obergrenze sollte aber dauerhaft beachtet werden, da die Rolle sonst nicht die dauerhafte zu große Belastung ohne möglichen Defekt überstehen.

Im Laden bleiben Ihnen leider wenige Möglichkeiten zu testen, ob die Rolle eher für leichte oder schwere Gewichte geeignet ist. Einerseits gibt die Größe der Rolle eine ungefähre Orientierung, andererseits die Leichtläufigkeit der Spule und wie lange diese nach dem Zugeben von Bewegungsenergie in Bewegung bleibt. Dazu müssen sie aber die Bremsen öffnen. Läuft die Spule leicht und lange nach, kann man auch sehr geringe Gewichte damit werfen. Kommen sie damit nicht weiter hilft nur noch das Gespräch mit uns, wir werden ihnen dann tatkräftig zur Seite stehen.

 


Kommentare

Na das doch mal ne Info!!! Jetzt hab ich nen Schimmer welche Rolle ich brauch! Geiler Text, Super Hilfreich. Arne

Arne, 16.02.2011 11:34

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